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F.A.Z.-Leser helfen : Heimisch werden in einer neuen Sprache

Leitet das Sprach-Projekt für Flüchtlinge: Meta Cehak-Behrmann Bild: Helmut Fricke

Flüchtlinge haben ohne ausreichende Deutschkenntnisse keine guten Aussichten am Arbeitsmarkt. Ein neues, berufsbezogenes Projekt soll ihnen helfen, denn gezielte Förderung ist sehr erfolgreich.

          Es ist ein Name voller Verheißung, den dieses Hilfsprojekt für Flüchtlinge trägt - voller Verheißung auf eine bessere Zukunft. „Faberis“ heißt es, und das lateinische Wort heißt so viel wie „Du wirst sprechen“. Nicht irgendwie sprechen, sondern so, dass die Teilnehmer des Projekts später einen Beruf erlernen und sich somit die Grundlage für ein Leben in Deutschland schaffen können. Denn oft scheitern Flüchtlinge an mangelnden Deutschkenntnissen, wenn sie eine Ausbildung absolvieren oder einer Berufstätigkeit nachgehen wollen.

          Stefan Toepfer

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          An diesem Punkt setzt die neue „Fachstelle für berufsintegriertes Sprachlernen“, kurz „Faberis“, an. Angesiedelt ist sie beim Frankfurter Sozialdezernat und beim kommunalen Arbeitsmarktprogramm. Doch die Stadt braucht Partner, um das dringend benötigte, zunächst auf zwei Jahre angelegte Projekt verwirklichen zu können. Darum bittet diese Zeitung ihre Leser um Spenden.

          Zwischenprüfung als Hürde

          „Es gibt bereits ein großes Interesse an dem Projekt“, weiß Conrad Skerutsch, der Leiter des Frankfurter Arbeitsmarktprogramms, aus Gesprächen mit Vertretern der Handwerkskammer, der Industrie- und Handelskammer und verschiedenen Bildungsträgern. Ziel der Fachstelle ist es, vor allem Ausbilder und Anleiter aus Betrieben, aber auch Mitarbeiter von Berufsbildungswerken oder freiberuflich tätige Dozenten theoretisch wie praktisch so zu schulen und zu begleiten, dass sie Flüchtlinge beim Spracherwerb in deren Berufsalltag gezielt unterstützen können - als sogenannte Sprachförderkräfte.

          Im Januar soll mit der Ausbildung begonnen werden, zunächst mit 24 Teilnehmern. Von der Unterstützung profitieren können Flüchtlinge, die bereits ein wenig Deutsch gelernt haben. Für die Qualifizierung der Sprachförderkräfte verantwortlich sind die beiden Mitarbeiterinnen von „Faberis“, die Philologinnen Meta Cehak-Behrmann und Alessandra Klein. Sie erarbeiten derzeit einen Lehrplan, in den ihre Kenntnisse und Erfahrungen aus berufsbegleitenden Deutschkursen einfließen.

          Cehak-Behrmann leitet das Projekt. Sie war zuvor auch für ein Deutschförderprogramm im Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe zuständig. Die Kurse in Kleingruppen mit bis zu fünf Teilnehmern haben Altenpflegehelfer mit Migrationshintergrund dazu befähigt, Prüfungen zu examinierten Pflegekräften abzulegen. Die Teilnehmer bekamen eine neue berufliche Perspektive, und es konnte dem Fachkräftemangel in der Pflege begegnet werden. Dieser erfolgreiche Kursus ist quasi ein Modell für „Faberis“. Wie wichtig ein berufsbezogenes Flüchtlingsprojekt ist, zeigt zum Beispiel eine Erfahrung des Bayerischen Handwerkstags. Dieser teilte vor kurzem mit, dass in der Region Oberbayern fast 70 Prozent der Flüchtlinge ihre Lehre abbrächen, weil sie wegen mangelnder Sprachkenntnisse in der Zwischenprüfung scheiterten. Es sei eine deutlich intensivere Betreuung nötig, bilanzierte der Hauptgeschäftsführer des Handwerkstags.

          In Frankfurt steht „Faberis“ dafür. Großen Wert legt Cehak-Behrmann darauf, beim Deutschlernen auf jeden Flüchtling individuell einzugehen, denn jeder bringe eigene Voraussetzungen und Erfahrungen beim Erlernen einer neuen Sprache mit. Zum Beispiel beherrschten manche Flüchtlinge ausschließlich ihre Muttersprache, andere wiederum hätten Englisch gelernt - und damit eine für sie neue Schrift.

          „Es gibt unterschiedliche Sprachlern-Biographien, Lernstrategien und -blockaden“, sagt Cehak-Behrmann. Das müssten die Sprachförderkräfte, die mit Flüchtlingen zusammenarbeiteten, wissen. Ebenso wie um die Aufgabe, im Zusammenhang mit dem jeweiligen Arbeitsplatz einzelne Lernbedarfe zu ermitteln und Lernstrategien zu finden. Bei der Qualifizierung durch Cehak-Behrmann und Klein lernen die Sprachförderkräfte auch, sensibel für das eigene Sprechen zu werden und zum Beispiel kompliziert klingende Vorschriften einfach und verständlich auszudrücken.

          Wie entscheidend es ist, dass Flüchtlinge möglichst rasch Deutsch lernen, um in den Arbeitsmarkt integriert werden zu können, hatte jüngst auch die Ständige Wirtschafts- und Arbeitsmarktkonferenz der Stadt hervorgehoben. In dem Gremium sind neben dem Oberbürgermeister das Wirtschaftsdezernat, die Arbeitsagentur, das Jobcenter, der DGB und die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände vertreten.

          Die Ausbildung zu einer Sprachförderkraft im „Faberis“-Projekt ist berufsbegleitend und dauert ein halbes Jahr. Es gibt zehn Workshops und eine praktische Phase, in der Cehak-Behrmann und Klein mit den angehenden Sprachtrainern in die Betriebe gehen, um die in den Workshops erworbenen Kenntnisse zu erproben und zu vertiefen. Für Skerutsch ist nicht zuletzt genau das entscheidend: „Die Unterstützung kommt schnell bei den Flüchtlingen an. Und diese sind sehr lernwillig.“

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“ Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Frankfurter Allgemeine / Rhein-Main-Zeitung bitten um Spenden für die Sprach- und Berufsförderung von Flüchtlingen in Frankfurt und eine Schule für notleidende Kinder in Guatemala. Spenden für das Projekt „F.A.Z.- Leser helfen“ bitte auf die Konten: - Nummer 11 57 11 bei der Frankfurter Volksbank (BLZ 501 900 00) IBAN: DE94 5019 0000 0000 1157 11 - Nummer 97 80 00 bei der Frankfurter Sparkasse (BLZ 500 502 01) IBAN: DE43 5005 0201 0000 9780 00 Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. Selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten. Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Sofern die vollständige Adresse angegeben ist, kann eine Spendenquittung zugeschickt werden. Weitere Informationen zur Spendenaktion im Internet unter der Adresse www.faz-leser-helfen.de.

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