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Unsere aktuelle Spendenaktion : Damit aus Kindern Leute werden

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Ein neues Zuhause: Im „Mothers´ Mercy Home“ in Nairobi leben gut 120 Waisenkinder und hoffen auf Hilfe aus Deutschland Bild: Fricke, Helmut

In diesem Jahr bitten wir um Spenden für Aids-Waisen in Kenia und Kinder in Frankfurt. In Nairobi will die Frankfurter Organisation Cargo Human Care ein Haus bauen, in dem Jugendliche während ihrer Ausbildung leben und lernen können. Der Frankfurter Kinderschutzbund wiederum möchte mit den Spenden seine Räume im Günthersburgpark renovieren, um seine Hilfsangebote für Familien ausbauen zu können.

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          John mag knallbunte Hosen und laute Musik. Am liebsten möchte der 20 Jahre alte Kenianer Diskjockey werden. Mats mag Spielzeugautos und muss damit klarkommen, seit wenigen Tagen in die Kita zu gehen. Den drei Jahre alten Frankfurter und den jungen Mann aus Nairobi verbindet nicht viel. Gemeinsam haben sie aber, dass sie Unterstützer haben, die sie auf ihrem Weg begleiten: Mats besuchte ein Jahr lang den Eltern-Kind-Treff des Kinderschutzbundes, John würde ohne die Hilfe des Piloten Fokko Doyen nicht mehr leben.

          Der Idsteiner sammelte schon vor Jahren Geld für Johns Herzoperation. Ohne die künstliche Herzklappe wäre John gestorben. Allein hätte er sich den Eingriff niemals leisten können, seine Eltern sind an Aids gestorben. Später gründete Doyen, der Flottenchef der Lufthansa-Frachttochter, den Verein Cargo Human Care, um noch vielen anderen Kindern zu helfen. Er gibt am Stadtrand von Nairobi im „Mothers’ Mercy Home“ 120 Waisenkindern ein Zuhause und versorgt in seiner medizinischen Ambulanz jeden Monat 2000 Patienten. Im noch viel ärmeren Norden des Landes haben Doyen und seine Mitstreiter eine Schule für mehr als 100 Kinder bauen lassen. Und die Aufgaben wachsen weiter.

          Das gilt auch für den Kinderschutzbund. Seine Beratungsstelle im Frankfurter Günthersburgpark hilft jedes Jahr 300 durch Gewalt traumatisierten Kindern und Jugendlichen. 25 von ihnen erhalten eine Einzeltherapie. Gleichzeitig nehmen immer mehr Eltern und Kinder die präventiven Kurse wahr, die der Verein anbietet. Dort lernen sie, ihren Nachwuchs zu fördern und in schwierigen Situationen besonnen zu handeln. Dabei soll auch das Elterntelefon helfen, ein in Deutschland einzigartiges Angebot, das in Notfällen und alltäglichen Fragen weiterhelfen kann. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter nehmen Anrufe aus ganz Hessen an.

          In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter des Kinderschutzbundes nahezu verdoppelt. Und so wird es auch weitergehen. Der Hilfsverein, der seit 60 Jahren besteht, wird eine Babylotsin anstellen, sie soll die Eltern von Neugeborenen beraten. Weil zudem einige seiner Räume wegen eines Wasserschadens derzeit nicht zu nutzen sind, ist eine Renovierung dringend nötig, etwa um die neue Heimat des Eltern-Kind-Treffs in der Orangerie herzurichten. Dafür bittet diese Zeitung um Spenden.

          Auch Cargo Human Care hat viel vor. In diesem Jahr haben die ersten 18 Kinder das „Mothers’ Mercy Home“ mit einem High-School-Abschluss verlassen. Für die anglikanische Kirche, den Partner von Cargo Human Care, ist die Betreuung damit abgeschlossen. „Wir haben aber festgestellt, dass der Schritt ins richtige Leben sehr schwer ist“, sagt Doyen. Viele der Waisenkinder müssten zurück zu ihren entfernten Verwandten, die weder Platz noch Geld hätten, sie zu versorgen.

          Auch John lebt wieder bei seinen Verwandten, statt auf eigenen Beinen zu stehen. Deshalb will Cargo Human Care ein neues Haus in Nairobi bauen, um den jungen Erwachsenen übergangsweise eine Bleibe zu geben, etwa um die Zeit zwischen Abschlussprüfung und Zeugnisvergabe zu überbrücken. Denn erst mit dem Abschluss können die jungen Erwachsenen einen Job finden oder eine Ausbildung beginnen. Das Jugendzentrum soll ein Ort des Lernens werden. Die Entwürfe sehen mehrere Schulungsräume vor. Die Seminare sollen auch anderen Jugendlichen offenstehen, um dort zu lernen, sich im Leben zu behaupten, mit Geld umzugehen und eigene Talente zu erkennen. Derzeit sucht Cargo Human Care nach einem geeigneten Grundstück in Nairobi.

          So unterschiedlich die Aufgaben von Cargo Human Care und dem Kinderschutzbund sind: Beide Organisationen teilen die Ansicht, dass Kinder und Jugendliche eher mehr als weniger Unterstützung brauchen - und die Erkenntnis, dass die Aufgaben sowohl in Frankfurt als auch in Nairobi eher wachsen als schrumpfen. Zudem sind beide Vereine bewährte Partner: 2007 halfen die Leser dieser Zeitung Cargo Human Care beim Ausbau des „Mothers’ Mercy Home“ in Nairobi. Statt in windschiefen Wellblechhütten schlafen die Waisenkinder seither in einem Haus, das von innen wie von außen das Zeug zu einem echten Zuhause hat. Drei Jahre zuvor unterstützten die F.A.Z.-Leser den Kinderschutzbund dabei, seine damals neuen Räume im Günthersburgpark einzurichten. Die Orangerie - die frühere Gnadenkirche - und das ehemalige Pfarrhaus sind zu lebendigen Treffpunkten für Kinder, Eltern und Helfer geworden. Der Einsatz hat sich gelohnt, aber eben auch neue Herausforderungen mit sich gebracht.

          Über John, den Jungen aus Nairobi, wird diese Zeitung in den nächsten Wochen ebenso berichten wie über den jungen Mats und die Helfer, die sie auf ihrem Weg unterstützen. Unsere Leser sollen auch erfahren, wie der Kinderschutzbund Missbrauchsopfer betreut und versucht, Gewalt von Erwachsenen gegen Kinder zu verhindern. Alles in der Hoffnung, dass die neuen Vorhaben von Cargo Human Care und dem Kinderschutzbund so erfolgreich sind wie die vorherigen.

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